Es freut mich, dass ich auch 2016 wieder die Weihnachtsgeschichte für den 

   Newsletter des Deutschen Schäferhunde Nothilfe e.V. beisteuern durfte.  

   Näheres über die Arbeit des DSHN-Teams erfahrt ihr unter www.dsh-nothilfe.de  

   

   Eine Weihnachtsgeschichte nicht nur für Schäferhundfreunde

  

      Whisper

 

„Was ist denn in der Kiste?“
Erwartungsvoll schaue ich zu Papa auf, der mit mir in den Keller gekommen ist. Eine Sekunde später zucke ich erschrocken 
zusammen, da sich der verschrammte Umzugskarton plötzlich bewegt. Außerdem kratzt und röchelt es seltsam.
„Also ...“ Papa reibt sich nachdenklich das Kinn. „Ich wurde gestern Abend noch zu einem Einsatz gerufen und ...“
Das nächste Brummen dringt aus der Box. Allmählich wird mir unheimlich.
„Das war der Grund für meine Nachtschicht!“, behauptet Papa, mit einem Fingerzeig auf die Box. „Du kannst ruhig 
hineinschauen. Aber sei vorsichtig beim Öffnen!“ Grinsend dreht er sich um und läuft die Treppe wieder nach oben. Das Rascheln und Scharren hat aufgehört. Die Kiste ist so unscheinbar wie zu Beginn, als ich davor stand. Trotzdem zögere ich noch.
„Ach was, als ob Papa dir ein Krokodil vor die Nase setzen würde.“ Jetzt muss auch ich grinsen. „Mama würde 
ihn umbringen!“

Möglichst behutsam hebe ich den löchrigen Deckel hoch. Gerade so viel, dass ich hinein lugen kann.

„Bäh!“ Die feuchte Nase hat mich voll erwischt. „Du hast Mundgeruch!“, begrüße ich den Boxeninsassen, dabei klappe ich die Kiste ganz auf.
Als ich den halbwüchsigen Schäferhund entdecke, versetzt es mir einen Stich. Und käme mir das aufgeregt zappelnde Wollknäuel, 
mit seinen halb stehenden und halb hängenden Ohren nicht unverzüglich entgegen, hätte ich die Kiste sicher wieder zugehauen, um meinen Vater heulend anzuschreien, dass er solche gemeinen Spielchen gefälligst mit jemand anderem treiben soll!
„Hallo Du!“, quäle ich es mir aus der Kehle.

Während ich damit beschäftigt bin, den Freundschaftsbekundungen des kleinen Vierbeiners auf meinen Hals auszuweichen, fällt mein Blick auf einen Zettel, der mit in der Kiste liegt.

 

"Liebe Ronja“, beginne ich den handschriftlichen Text zu lesen.

„Mein Name ist Nobody, was heißt, dass ich noch keinen Namen habe! Dass ich ein Schäferhund-Rüde bin, hast du natürlich schon gesehen, oder? Bestimmt, schließlich hilfst du deinem Vater ja schon oft in der Tierpraxis. Aber ist dir auch aufgefallen, dass ich bisher kein einziges Mal ein Bellen von mir gegeben habe?“


Erschrocken weiche ich zurück. Stimmt! Wieso bellt der nicht? Er fiept und grollt zwar, aber geschleckt ... - Der nächste 
Stich trifft mich ins Herz.


„Die Zunge hat man mir wohl in meinem alten Zuhause rausgeschnitten. Vermutlich war ich zu laut. Aber sonst bin ich 
gesund, sagt der Doc. Ein paar regelmäßige Mahlzeiten wären gut für mich und jemand der mich nun so aufnimmt, wie ich bin. Der Doc hat auch gesagt - gestern Abend, als er mich mit der Polizei aus dem Stall geholt hat - da hat er gesagt, dass seine Tochter schon fast ein Jahr um ihren besten Freund trauert. Teddy soll der geheißen haben, und ein Schäferhund war es auch. War bestimmt schrecklich, als er angefahren wurde, oder? Er hat es nicht geschafft, meinte der Doc. Und um das nicht nochmal durchzumachen, will seine Tochter jetzt keinen neuen Hund mehr.“


Die feuchte Nase wischt meine Tränen beiseite. Ich habe nicht einmal bemerkt, wann ich zu weinen begonnen habe.

„Denkst du, er bekommt noch vor Weihnachten einen Namen?“ Papa steht längst wieder hinter mir. „Ich befürchte, das könnte knapp werden, da morgen schon Heiliger Abend ist.“

Die großen grüngelben Augen sind direkt vor mir, als mein Herz neben Teddy einen Platz findet.
„Whisper!“, flüstere ich heiser und schließe ihn fest in die Arme. 

 

  

 

 

Eine Weihnachtsgeschichte für die DSH-Nothilfe e.V.

 

 

Was steckt hinter MONTY und wie kam dazu?

 

Im Advent 2015 bekam ich die Anfrage, ob ich für den alljährlichen Weihnachts-Newsletter der DSHN e.V. - der Deutschen Schäferhunde Nothilfe e.V. - eine Weihnachtsgeschichte schreiben könnte. Das Ganze ergab sich, da meine Lieblings-nachbarin Heidrun die erste Vorsitzende dieser Organisation ist.

 

Aktuell gehört die Hausmann-Familie lediglich zu den passiven Mitgliedern, da es unsere private Zeiteinteilung nicht anders zulässt. Was aber nicht heißt, dass unser Heim keine 4-Beiner einschließt! Ohne Tiere könnte ich mir mein Leben niemals vorstellen. Aber wer weiß, was das neue Jahr so alles bringt!

 

 

Ist unter EUCH zufällig jemand, der liebevollen Hunde-Familienanhang sucht?

Oder ist es euch möglich, eine extrem wichtige Organisation im Bereich des Tierschutzes zu unterstützen?

 

=> Dann bitte HIER klicken !

 

 

Und nun zu ...

 

- Monty - 

 

„Was hast du gesagt, wie lange die Kleine da schon hockt?“

„Seit drei Stunden!“ Tanja sieht sich zu ihrer Kollegin um und verdreht genervt die Augen. „Und wenn das so geht, wie die letzten Sonntage“, stöhnt sie erschöpft, „wird sie noch weitere zwei Stunden in den Zwinger glotzen. Dafür dürfen wir uns die ganze Zeit über das Gekläffe anhören.“

Während Tanja sich abwendet, um ihre alltägliche Arbeit im ansässigen Tierheim wieder aufzunehmen, steht ihre Kollegin noch einen Augenblick lang da und schaut gedankenversunken zu dem am äußeren Ende des Geländes befindlichen Zwingers hin.

„Warum macht die das?“, murmelt sie leise zu sich selbst. „Ausgerechnet bei diesem abartigen Vieh!“

Chrisi trat vor knapp zwei Wochen erst ihre Stelle als Pflegerin in diesem Tierheim an. Doch eines hat sie sehr schnell kapiert: Der Schäferhund-Rüde, der in eben dieser Box ganz außen sein Dasein bestreitet, ist schlichtweg unberechenbar. Mit dieser Einstellung ist Chrisi nicht allein. Der komplette Angestelltenstab samt ehrenamtliche Helfer, haben es inzwischen aufgegeben, sich an dieses Monster in Hundefell vorzutasten, geschweige um sein Vertrauen zu buhlen. Bisher wurde noch jeder mit Gebell und fletschenden Zähnen begrüßt. Dazu fällt er jeden an und beißt alles, was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen kann. Die Kollegen knobeln morgens sogar, wer die anstehende Fütterung übernehmen darf. Freiwillig erledigt diesen Dienst, trotz zeitweises Wegsperren des vierbeinigen Insassen, nämlich keiner.

„Also entweder ist Monty heute heiser, oder sein Sturmpegel hat sich auf die nächst tiefere Stufe gesenkt.“

Chrisi wirbelt erschrocken herum, als sie die männliche Stimme ihres Kollegen Tom hinter sich hört.

„Kennst du die Geschichte von Monty?“, erkundigt sich Tom, ohne auf Chrisis Aufjapsen einzugehen. „Den Namen habe ich ihm gegeben“, fährt er ungerührt fort. „Mont ist französisch und bedeutet Berg. Außerdem ist es die Kurzform von Montgomery, was Vom Schloss des Wohlhabenden bedeutet.“ Beiläufig zeigt Tom mit der Hand auf das sich vor ihnen ausbreitende Tierheimgelände, welches an ein Privatgrundstück grenzt, das in adligem Besitz sein soll. „Da oben haben wir ihn gefunden. Drei Tage und Nächte lang haben wir nur sein Gejaule gehört. Wir sind stundenlang durch den Wald gelatscht, bis wir ihn endlich angekettet und völlig verwahrlost im Gestrüpp gefunden haben. Ihn einzufangen war eine riesen Tortur.“ Tom winkt belanglos ab. „Aber solche Aktionen sind wir schließlich gewohnt.“ 

„Wann war das?“, erkundigt Chrisi sich interessiert.

„Vor zwei Jahren“, seufzt Tom. „Es jährt sich am Heiligen Abend.“ Sein Blick geht zum Zwinger hinüber. Die staunend aufgerissenen Augen seiner neuen Kollegin übergeht er absichtlich. Sie wird ihre Erfahrungen schon noch sammeln, wie alle Frischlinge.

„Und die da?“ Chrisis Wink geht in die gleiche Richtung, wobei sie statt den Schäferhund aber die dünne junge Frau meint, die unverändert reglos vorm Käfig auf dem Boden sitzt und wie apathisch an Monty vorbei, ins Innere des Zwingers starrt.

„Die ist auch vom Berg!“, behauptet Tom und grinst. „Ihre Eltern haben das Anwesen im vergangenen Winter gekauft. Das weiß ich von ihrem Vater, als er im Sommer mit der Kleinen hier aufgetaucht ist, um zu fragen, ob sie an den Sonntagen mit einem der Hunde Gassi gehen dürfte.“

Chrisi lacht spottend auf. „Nach Gassi gehen sieht das aber nicht aus!“

„Die Kleine kommt seit vier Monaten hierher“, erklärt Tom ernst. „Jeden Sonntag verbringt sie mindestens drei Stunden vor Montys Box, meist noch länger. Während der ersten Male hat er pausenlos gebellt und getobt. Wir sind schier wahnsinnig geworden, so hat er durch sein Getue hier alles in Aufruhr versetzt!“ Allein bei dem Gedanken daran stellen sich Tom die Nackenhaare. „Nach ein paar Wochen hat Monty wohl angefangen seine Zuschauerin zu ignorieren. Nach der ersten Stunde ging sein Kläffen dann in ein Dauergrollen über, dazu hat er sich nicht mehr permanent gegen sie Stäbe geschmissen. Und wie du siehst …“, schmunzelnd deutet Tom zum Zwinger hinüber, „heute bricht er nur noch los, sobald sich in der näheren Umgebung etwas tut. Dass die Kleine da sitzt scheint ihn nicht mehr zu beunruhigen.“ Chrisi schaut sich verwundert zu ihrem Kollegen um, da ihr sein veränderter Ton auffällt. Tom steht mit den Fäusten in die Hüfte gestemmt da und lächelt verträumt. „Warte‘s nur ab!“, raunt er plötzlich. „Ich wette, es dauert nicht mehr lang. In ein paar Tagen ist Weihnachten und irgendetwas sagt mir, dass Monty am Heiligen Abend Besuch bekommt und wir anschließend endlich erfahren, wie sich sein Fell anfühlt.“

Chrisi überläuft eine Gänsehaut bei Toms Worte. „Du meinst, die Kleine hat gesagt, dass sie den Bär vom Berg anfassen will?“, entweicht es schrill aus ihrer Kehle. „Ohne Schutz und freiwillig? Das ist doch unglaublich!“

Tom schaut sich mit sanfter Miene zu seiner jungen Kollegin um. Während seiner 10-jährigen Arbeit in diesem Tierheim, ist ihm schon viel untergekommen, was die Bezeichnung Unglaublich verdient. Die schönsten Märchen diverser Tierbesitzer, weshalb sie ihre einst geliebten Mitbewohner nicht länger bei sich behalten können. Dazu die grauenhaften Bilder, die sich jedes Mal in sein Gedächtnis einbrennen, wenn er vom Amt oder der Polizei gerufen wird, um ein völlig verstörtes und misshandeltes Geschöpf von seinem angeblich unschuldigen Herrchen zu befreien. Aber so etwas, wie dort drüben mit Monty …

 „Ich habe keine Ahnung, was Monty und die junge Frau sich zu erzählen haben, oder wie sie sich verständigen. Doch was es auch ist“, redet er leise lächelnd weiter. „Bei diesen beiden da drüben, hoffe ich ganz fest auf den Zauber von Weihnachten. Und dies, obgleich es die Kleine zumindest UNS nicht mitteilen wird!“ Toms Augen richten sich völlig klar auf Chrisi. „Das kann sie auch gar nicht, sie ist Taubstumm!“