TESLA Model S

Ein (Frauen-)Testbericht

Datum: August 2017

Wer mich und meine Männer kennt, der weiß, dass Fahrzeuge bei uns nicht in die Sparte *notweniger Gebrauchsgegenstände* gehört. Stattdessen zählt eine ordentliche Portion Pferdestärke, in ansprechender Verpackung, zum annehmbaren Luxus. 

 

Wie hätte ich unter dieser Voraussetzung das Angebot ablehnen sollen, im Urlaub drei Tage einen Wagen zu testen, der gewiss nicht jeder X-Beliebige in der Garage stehen hat? 

 

In Zahlen - schließlich will ich wissen, auf was ich mich einlasse:

Hersteller / Typ:     Tesla Model S 85P

Baujahr:                  2013

Motorleistung:        270 KW

0-100 km/h:           5,6 Sekunden

Batterie:                  85 kWh Lithium-Ionen

Höchstgeschwindigkeit angegeben:  225 km/h

 


Fahrzeugübernahme

 

Übernahme unseres schwarzen Flitzers:  Garmisch-Partenkirchen, Hotel Obermühle

Nach dem Formellen, endlich die gespannt erwartete Einweisung und Demonstration des Wagens.

- Sicher wichtig, aber alles in allem eher unspektakulär.

 

1) Wer sich bereits mit einer modernen Navi und deren aktuell technischen Details befasst hat, staunt vielleicht noch über die Größe des Displays (iPad-Pro noch etwas in die Länge gezogen). Die Menüpunkte zur Einstellung von Radio, Freisprecher sowie der eigentlichen Navigation auf Basis Google-Map, sind jedoch nicht neu und somit rasch zu überblicken.

 

Eine prima Sache, dazu für jeden E-Fahrzeug-Nutzer bestimmt das Non-Plus-Ultra an benötigter Information, ist die Auswahl an Ladestationen auf der bevorstehenden Strecke. Hier ist Tesla mit den Superchargern aktuell wohl an der Spitze der Versorger. Sämtliche Ladestationen werden im Navi auf der vorgegebenen Route angezeigt - die Schnellladestationen dazu noch mit rotem Standortanzeiger.

 

2) Die Ladetechnik (Kabelanschlüsse) - bei Tesla unter der Motor ... (sorry) unter der Fronthaube.

Der eigentliche Ladeanschluss versteckt sich auf der Fahrerseite am Heck, unmittelbar vor/in der Rückleuchte.

Auf meine Frage, wie die Erfahrungen unsers Fahrzeug-Instructor mit der Zuverlässigkeit und der Funktionalität der Ladestationen sei, kam ein promptes *absolut Problemlos*. Er habe bisher noch keine defekte oder nicht in Betrieb befindliche Station erlebet. Allerdings musste er auch zugeben, bisher nur die von Tesla selbst platzierten Super-charcher angefahren zu haben.

 

3) Tipp vom Instructor: Unbedingt mehr Augenmerk auf Fußgänger und Radfahrer legen!

Wie gut dieser Hinweis war, stellten wir unmittelbar beim Start vorm Hotel fest. Die E-Bike-Fahrer an diesem Morgen hüpften beinahe erschrocken beiseite, als der Rundumblick vor Tourbeginn plötzlich einen zuvor nicht wahrgenommenen, schwarzen Wagen offenbarte, statt den freien Blick nach hinten.

 

Rundkurs ZUGSPITZE

Garmisch-Partenkirchen - Mittenwald - Seefeld (A) - Telfs (A) - Leermoos (A) - Garmisch-Partenkirchen

 

Start um 10:25 Uhr bei 24°C und Sonnenschein - Streckenabschnitt 1 mit Frau am Steuer

Ich liebe den Weg nach Mittenwald, den Blick auf das Karwendelgebirge und die Dammkar. Und? Denkt ihr, ich habe davon etwas wahrgenommen? Offen gestanden - nicht viel.

 

Punkt 1:     Meine unmittelbaren WOW-Erlebnisse:

- Dauergrinsen, beim Spüren eines atemberaubenden Antriebes (nicht zu vergessen, hier schieben über 350 PS)

- Überrascht große Augen, beim ersten Wegnehmen vom Gas, welches ein ungewohnt starkes, aber gleichmäßiges

   Einbremsen  verursacht. Das stete Wechseln zwischen Gas und Bremse wird somit auf angenehme Art reduziert.

- Interessante Beobachtung, wie die Anzeige Vorschub/Verbrauch sich beim Verzögern mittels Rekuperation

  die errechnete Laufzeit der Batterie teilweise wieder nach oben korrigiert - brems- und energieschonend.

 

Punkt 2:     Das fehlende Motorgeräusch

Ich hatte erwartet, meiner Vorliebe für tief schnurrende und blubbernde Motoren-Stimmen einen Dämpfer zu verpassen. Das Gegenteil war der Fall. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass der Wagen weder einen Startknopf noch eine Zündung benötigt, um sich Betriebsbereit zu erklären (das fand ich viel verwirrender), überrascht der fehlende Motorenklang auch nicht mehr - zumal beim Fahren ein leises Rollgeräusch (eine bessere Beschreibung fällt mir hierzu leider nicht ein) zu vernehmen ist, das einem sehr gut gedämmten Wagen durchaus nahe kommt.

 


Auf der Österreichischen Seite nahm ich mir die Zeit, mich dem Wageninneren sowie den tatsächlich inklusiven Leistungen unseres schmucken Gefährts zu widmen:

 

Meine Pluspunkte:

- Optisch dezent und (für mich) sehr ansprechend

- Keine störenden Knöpfe, Schalter oder Hebel

- Ein Interieur aus schwarzem Leder, abgesetzt mit Carbon-Optik, silbernen Zierleisten und einigen wenigen

   Lüftungseinlässen

- Durch das Fehlen von Gangschaltung etc. besteht die Mittelkonsole aus einem einzigen großen Ablagefach.

 

Manko:

- Bei der uns zur Verfügung stehenden Ausstattung rutscht alles hin und her, was in der Mittelkonsole liegt

- Gelegentliche Störgeräusche, sobald sich ein Smartphone in der Mittelkonsole oder nahe des Displays befindet

 

Ladestationen und -technik

Der sicher wichtigste Punkt jeden E-Fahrzeug-Interessierten ist die Ladetechnik. Daher fand ich es spannend, während unseres 3-tägigen-Fahrtests, bei 3 Ladeversuchen gleich 3 unterschiedliche Erkenntnisse gewonnen zu haben.

 

Tag 1: Ladestation: ein Supercharger

Diese Ladestationen sind von und für Tesla natürlich perfekt.

Wir platzierten das Fahrzeug an der Ladesäule, Klappe auf, Stecker rein, Ladelicht blinkt grün => funktioniert!

Binnen unseres Espresso-Stopps von 45 Minuten ging der Akku von 62% auf 92%

 

Tag 2: Ladestation: Parkgelände Neuschwanstein - eine Ladestation des ansässigen Stromanbieters

- Nette Angelegenheit: das Parken ist während des Ladevorganges kostenlos, was bei sämtlichen Parkplätzen rund

  um  Neuschwanstein sonst nicht der Fall ist.

- Nicht ganz so nett:  Die Beschreibung und das Handling für uns Gast-E-Driver ist gewöhnungsbedürftig,

  insbesondere, wenn die beschriebenen Schritte (QR-Code scannen, ID-Card-Code auswählen, Ladekabel anschließen

  und Zahlung mittels PayPal nach Beendigung des Ladevorgangs), bereits beim zweiten Schritt scheitert.

 

Zwar brachte der QR-Code-Scann gleich vier ID-Codes aufs Display unsers Smartfones, doch auswählen ließ sich keiner davon. Nach Versuch zwei und nochmaligem Check, die Vorgehensweise auch richtig begonnen zu haben, folgte mein Anruf bei der Hotline, deren Nummer bei der Beschreibung an der Ladestation gleich mit aufgedruckt ist.

Der einige Sekunden andauernden Bandansage (dazwischen Musik zur Wartezeitunterhaltung) folgte die Begrüßung einer Dame, die mich beim Vernehmen meines Anrufgrundes gleich 3x zu einem kompetenten Kollegen durchstellen wollte - drei verschiedene Kollegen wohlgemerkt. Zu erreichen war keiner der netten Herrn. Stattdessen erfolgte nach dem dritten Verbindungsversuch die Information, dass die Dame von einem der Herrn die Nachricht erhalten habe, dass momentan sämtliche Ladestationen von ihnen nicht online geschaltet seien - ergo: außer Betrieb.

Wir könnten es in Kempten probieren - kurze Anmerkung: Wir standen in Füssen - Differenz knapp 50 Kilometer!

Allerdings, so die Dame weiter, würde man bereits an der Beseitigung der Störung arbeiten. Es wäre möglich, dass die Ladestation binnen der nächsten halben Stunde wieder aktiv sei. Vielleicht dauert es aber auch bis zum nächsten Tag. Das ließe sich schlecht sagen.

Glücklicherweise stand unsere Laufzeitanzeige noch bei über 60%, sodass unsere Rückfahrt nach Garmisch auch ohne Zu-Strom bewerkstelligt werden konnte.

 

Tag 3: Haus-Ladestation auf dem Hotelgelände

Im Grunde perfekt für unser Testgefährt, da diese hauseigene Ladestation mit einer  64 Volt-Anlage versehen ist. Ein Ladevorgang wird somit in noch kürzerer Zeit ausgeführt, als an einem Supercharger. Vorausgesetzt man beherrscht die Kopplungstechnik! Klappe auf und Stecker rein war prompt erledigt. Lediglich das grüne Blinklicht wollte seinen roten Bruder nicht von der Arbeit ablösen. 

In diesem Fall siegte unsere Bequemlichkeit über die Diskussion, was denn falsch gelaufen sein könnte. Der schmucke Wagen ging mit halber Ladung in die Hände des Hotels zurück.

 

Mein persönliches Resümee

PLUS:

- ein schöner Wagen mit atemberaubender Beschleunigung - ohne jegliche Verzögerung oder Schaltunterbrechung

- der wegfallende Geräuschpegel ist überraschend angenehm - selbst für eine Soundliebhaberin

 

MINUS:

- die (noch) mangelnde Streuung an Ladestationen, verhindert es, dass eine Fahrstrecke über größere Distanz (300

   km+) in gleicher Zeitspanne und ebenso bedenkenlos absolviert werden kann, wie mit einem Verbrennungsmotor

- wer Fahrzeuge in diesem Preissegment fährt, ist gewiss enttäuscht über die sporadische (Grund-) Ausstattung

 

NEUTRAL aber wichtig!

- man wird bestaunt (was natürlich schön ist)

- man wird überhört oder besser gar nicht gehört (was gelegentlich zu Wartezeiten führen kann)

 

Meine Empfehlung an jeden E-Wagen-Lenker:

- der überwiegende Teil der (anderen) Verkehrsteilnehmer ist noch nicht auf euch vorbereitet

 

Test erfolgreich?

Für mich:  JA - natürlich !!! 

Der Wagen ist grandios und es hat riesigen Spaß bereitet ihn zu fahren.